Mit dem Namen "Bordeaux" verbinden selbst eingefleischte Bier-Trinker automatisch "guter Wein". Ob das in jedem Fall zutrifft, sei hier einmal dahin gestellt; zweifelsohne zählt das über 100.000 Hektar große Weinanbaugebiet im Departement Gironde zu den bekanntesten Weinanbaugebieten der Welt.
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Bordeaux & Bordeaux Supérieur
Rot- und Roséweine für jeden
Tag
Mit rund 57.000 Hektar stellen die Rot- und Roséweine der Appellationen Bordeaux und Bordeaux Supérieur nahezu die Hälfte der gesamten Rebfläche des Bordelais. Sie sind auf das gesamte Anbaugebiet verstreut und spiegeln die ganze Palette von Böden wider – ob Sand- Kalk-, Ton-, Kies- oder Mischböden. Sie profitieren auf Grund ihrer enormen geografischen Ausdehnung natürlich von allen Kleinklimata und Rebsorten der Region.
Die Weine vereint daher mehr ein gemeinsamer Stil als ein geografischer Raum. Trotz der vielfältigen Charaktere bestehen gewisse Gemeinsamkeiten, am besten lässt sich diese Familie wohl mit „Einheit in Vielfalt“ beschreiben. Doch nicht nur Rotweine werden hier erzeugt. Auch die feinfruchtigen Bordeaux Rosés und die etwas kräftigeren Bordeaux Clairets erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Die Bordeaux und Bordeaux Supérieur-Weine sollten jung getrunken werden und dem Weinfreund ein unkompliziertes Trinkvergnügen bereiten. Sie harmonieren mit nahezu allen Gerichten und erfordern keine großen Zeremonien – kurz: der ideale Einsteiger-Bordeaux für jeden Tag und jeden Geldbeutel.
Saint-Emilion, Pomerol, Fronsac
Königreich des Merlot
Rund 1.400 Weinbaubetriebe teilen sich knapp 9.500 Hektar Rebfläche rund um Saint-Emilion. Die Region ist überwiegend von Kleinbetrieben geprägt, einige blicken auf eine jahrhundertealte Familiengeschichte im Weinbau zurück. In insgesamt sechs Appellationen ist sie unterteilt. Authentizität und Pioniergeist – dafür steht Saint-Emilion! Bei vielen heute etablierten Innovationen war die Region Vorreiter. Renommierte Önologen, deren Rat heute in der ganzen Welt gefragt ist, stammen von hier. Während im Médoc der Cabernet Sauvignon das Sagen hat, regiert in Saint-Emilion ganz klar der Merlot. Er fühlt sich wohl auf den Ton- und Sandböden oder thront auf einem Plateau aus reinem Kalkstein. Samtige, weiche Rotweine mit viel Frucht und Eleganz kommen von hier.
Etwa 40 Kilometer nordwestlich von Bordeaux, rund um die Stadt Libourne, erstreckt sich das Anbaugebiet von Pomerol und Fronsac. Knapp 500 Weinbaubetriebe bauen hier, am rechten Ufer der Dordogne, auf einer Fläche von 3000 Hektar vor allem rote Rebsorten an. Wie im benachbarten Saint-Emilion findet der Merlot auf den Kies-Sand- bzw. Lehm-Kalk-Böden ideale Voraussetzungen und kann bestens ausreifen. In der Assemblage mit Cabernet Franc und einem „Schuss“ Cabernet Sauvignon entstehen so samtige, weiche Rotweine mit viel Körper und jeder Menge Frucht.
Médoc und Graves
Hochburg des Cabernet Sauvignon
Im Médoc werden ausschließlich Rotweine bereitet, in Graves hingegen Rot- und
Weißweine. In der Assemblage kommen vor allem die Rebsorten Cabernet Sauvignon
und Merlot zum Einsatz. Die Rotweine verfügen über eine feste, volle und
reichhaltige Struktur sowie eine hervorragende Lagerfähigkeit. Aus den Rebsorten
Sauvignon und Sémillon werden sowohl trockene als auch liebliche Weißweine
bereitet, die sich durch ihre Finesse und ihr Bukett auszeichnen.
Diese Weinfamilie repräsentiert rund 15 % der gesamten Produktion des Bordelais und erstreckt sich über das gesamte Weinbaugebiet am linken Garonne-Ufer. Das Médoc liegt im Norden des Großraums Bordeaux, die Appellation Graves im Süden. Beiden gemeinsam ist das durch den nahen Atlantik gemäßigte Klima sowie Böden aus angeschwemmtem Sand und Kieselsteinen, die aus den Pyrenäen stammen und nach der im Quartär erfolgten Erderwärmung von der Garonne mitgeführt wurden. In den Appellationen Graves und Médoc werden zahlreiche große klassifizierte Bordeaux-Weine erzeugt, wie beispielsweise die Grands Crus Classés gemäß der Klassifizierung von 1855, die Crus Bourgeois, die Crus Artisans und die Crus Classés aus Graves.
Assemblage, die Seele der Bordeaux-Weine
Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, warum bei Bordeaux-Weinen die Rebsorte meist nicht auf dem Etikett angegeben ist? Die Antwort ist ganz einfach: Bordeaux-Weine werden meist durch die Assemblage, das heißt eine Komposition mehrerer Rebsorten gewonnen. Jede Rebsorte hat dabei ihre besonderen Eigenschaften, die sich in der Assemblage ergänzen. Bei einer Kombination von Cabernet Sauvignon und Merlot stärkt der Cabernet zum Beispiel die Gerbstoffstruktur und verhilft dem Merlot zu besserer Lagerfähigkeit. Der Merlot dagegen verleiht dem Cabernet mehr Geschmeidigkeit. Mit einem Anteil Cabernet Franc kann der Kellermeister das Aromenspektrum erweitern und den feinen Charakter des Weins betonen.
Doch die Assemblage der Rebsorten geht noch weiter. Kombiniert werden überdies die Trauben unterschiedlicher Parzellen, verschiedener Fässer - den Kompositionsmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Wir alle wissen, dass in der Musik die Komposition der sieben Basisnoten komplexe und unverwechselbare Stücke hervorbringt. In Bordeaux schafft die Assemblage die vielfältigsten Weinstile – jeder mit eigenem Charakter und Persönlichkeit. Diese kreative Kunst kann natürlich nicht von heute auf morgen erlernt werden, sie wurde von Generation zu Generation weiter getragen und ständig optimiert. Man kann sie fast als das Herz der Bordelaiser Weinphilosophie bezeichnen.
Bordeaux, bestens temperiert!
Die aromatische Entfaltung des Buketts ist stark von der Servier- bzw. Trinktemperatur abhängig. Wird der Wein zu kalt serviert, verströmen die Aromen nur schwer und der Wein weist gar kein oder nur recht wenig Bukett auf. Am Gaumen treten Gerbstoffe und Säure zu stark in den Vordergrund. Ist der Wein jedoch zu warm, kann er leicht oxidieren. Sehr flüchtige Aromastoffe können dabei zerstört werden; gleichzeitig können schwere Aromen ausströmen und die Harmonie des Buketts geht verloren. Am Gaumen ist die alkoholische Komponente des Weins zu dominant.
Die Serviertemperatur hängt von der Farbe des Weins, von seinem Alter und von seinen geschmacklichen Eigenschaften ab. Auch die Art der Speisen, zu denen er serviert wird, hat einen Einfluss. Die optimale Trinktemperatur für trockene Weißweine, Rosés und Clairets liegt zwischen 8°C und 11°C. Rotweine sollten beim Genuss eine Temperatur von 16°C bis 18°C haben, liebliche und edelsüße Weißweine zwischen 6°C und 8°C. Zu bedenken gilt es dabei, dass sich der Wein nach dem Einschenken schnell im Glas erwärmt, je nach Raumtemperatur bis zu 3°C innerhalb von fünf bis zehn Minuten! Die Serviertemperatur sollte also deutlich kühler als die empfohlene Trinktemperatur sein.
